Mit zirka 5 Jahren – 1941

Mit zirka 5 Jahren:  –

Ich stehe im Schlafzimmer meiner Eltern, am unteren linken Bett-Ende, gegen das Fenster, die Mutter steht hinten, auf der rechten Seite des elterlichen Bettes. Meine Mutter schimpft etwas, und ich bin nicht einverstanden, sage irgendwie nein. Das sagt doch meine Mutter:

« Heidi, du bist der Teufel, du bist böse« .

Das hat mich sehr erschreckt und ich stammle: ich weiss doch nicht, was mit mir passiert, ich tue es nicht extra. Die Mutter hört gar nicht hin, schimpft einfach weiter …

Als Erwachsene verstehe ich später: meine Mutter hat meine Weiterentwicklung zum selbständigen Menschen auf das massivste bekämpft und es auch fertig gebracht, dass ich mich selber unten hielt, und mich NICHT entwickeln wollte, um ihr zu gefallen. Mit Hilfe der mich umgebenden Kultur, welche Kinder in die Schule schickt, konnte ich nur nach und nach meine Verstandeskräft ein wenig entwickeln, bis ich ungefähr mit 17 in die Totalrebellion hineinrutschte. Aber dann gleich gegen die ganze Welt, heute würde man sagen, gegen das ganze System. Was auch Sinn macht: ich werfe dieser ganzen Menschheit vor, mich mit meiner verrückten Mutter und meinem unzuverlässigen (kindischen) Vater im Stich gelassen zu haben.

Nach guter Schweizer Manier gilt die Freiheit der Eltern alles (und zwangsläufig die des Kindes nichts, weil es damit nur von guten Eltern profitiert, alle andern fallen unter die Räder, was die Schweizer Mentalität stillschweigend akzeptiert … ich behaupte sogar, von einer gewissen Elite sogar bejaht, weil als natürliche Selektion interpretiert wird.

Sozialdarwinismus pur! Aber mir ist klar heute: die damalige Schweizer Mädchen-Erziehung war eine Totalkatastrophe, die Mentalität der 7 jährigen Buben ebenfalls. Dass kleine Buben auch Menschen und liebe Kinder sein können lernte ich erst, als ich selber Buben hatte und meine drei herzigen Schnuggis voller Verwunderung betrachtete.

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